DLV-Sprinterinnen stark beim ISTAF Indoor, Robert Harting verpasst Sieg nur knapp

Eine Lichtshow bei der Präsentation der Disziplinen und pfeilschnelle Zeiten auf der Bahn: Das ISTAF Indoor hat am Freitagabend 12.100 Zuschauer mit seiner Mischung aus Sport und Show mitgerissen. Diese Atmosphäre beflügelte die Athleten zu starken Leistungen. Allen voran Tatjana Pinto (LC Paderborn). Die 25-Jährige brachte schon im Vorlauf über 60 Meter 7,08 Sekunden auf die Bahn.

Damit unterbot sie nicht nur locker die Norm für die Hallen-WM (7,30 sec) in Birmingham (Großbritannien; 1. bis 4. März), sondern blieb auch nur eine Hundertstel über ihrer Bestzeit vom Sieg bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften 2016 (7,07 sec). Schneller war weltweit in diesem Winter noch keine Athletin.

Tatjana Pinto im Finale auch mit schwächerem Start vorne

Im Finale behielt die WM-Vierte mit der Staffel die Nerven und setzte sich in 7,13 Sekunden gegen Mujinga Kambundji (Schweiz; 7,14 sec) und Michelle-Lee Ahye (Trinidad & Tobago; 7,16 sec) durch. Der Start war nicht ganz so gut wie im Vorlauf. Dennoch blieb die Siegerin locker.

"Ich habe es genossen hier zu laufen", bedankte sich Tatjana Pinto beim Publikum. "Birmingham ist das Ziel. Ich plane mit einer vollen Hallensaison." Lisa Mayer (Sprintteam Wetzlar; 7,17 sec) stellte als Vierte ihre Bestzeit ein. Gina Lückenkemper (TSV Bayer 04 Leverkusen; 7,19 sec) verfehlte als Fünfte ihr Ziel, diesmal nicht mit der schlechtesten Reaktionszeit aus dem Block zu gehen (0,187 sec).

Über 60 Meter der Männer war der Chinese Bingtian Su (6,55 sec) klar der stärkste Sprinter des Abends. Der dreimalige Sieger des Meetings Kim Collins (St. Kitts & Nevis; 6,64 sec) wurde diesmal Dritter. Die DLV-Athleten Peter Emelieze (ASV Köln; 6,68 sec) und Julian Reus (LAC Erfurt; 6,71 sec) kamen auf die Plätze fünf und sechs. Im Vorlauf erwischte Lucas Jakubczyk (SCC Berlin) kein gutes Rennen und musste sich mit 6,82 Sekunden zufrieden geben.

Alina Talay noch schneller als Pamela Dutkiewicz und Cindy Roleder

Im Hürdensprint der Frauen blieben alle sechs Frauen im Finale unter acht Sekunden. Im engen Einlauf hatte die Hallen-Europameisterin der Jahre 2013 und 2015 die Nase vorn: Alina Talay (Weißrussland) lief glänzende 7,89 Sekunden. Dahinter wurden die WM-Dritte Pamela Dutkiewicz (TV Wattenscheid 01) und die amtierende Hallen-Europameisterin Cindy Roleder (SV Halle) zeitgleich (7,93 sec) auf die Plätze zwei und drei gesetzt.

Für Pamela Dutkiewicz war es der erste Auftritt in diesem Winter über die Hürden, bei dem sie schon im Vorlauf (7,96 sec) die Norm für die Hallen-WM (8,14 sec) unterbot. Die Deutsche Meisterin hatte aber erklärt, auf den internationalen Höhepunkt des Winters verzichten zu wollen. "In beiden Läufen sind mir Fehler passiert, die sonst nicht vorkommen. Das ärgert mich ein bisschen", erklärte die 26-Jährige selbstkritisch. "Das war mein erster Wettkampf in diesem Jahr, ich musste mich erstmal finden."

Cindy Roleder präsentierte sich bei ihrem Comeback auf großer Bühne nach dem verletzungsbedingten Abbruch der Sommersaison ebenfalls in Topform. Das verspricht ein spannendes Duell bei der Hallen-DM in Dortmund (17./18. Februar). "Ich bin sehr zufrieden. Bei meinem Comeback schon wieder eine Zeit unter acht Sekunden anzubieten, ist für mich super", kommentierte die Athletin von Wolfgang Kühne.

Nadja Käther überrascht mit Weitsprung-Sieg

Mit einem Satz auf 6,56 Meter sicherte sich Nadja Käther (Hamburger SV) den Sieg im Weitsprung. "Das hat mich überrascht bei diesem starken Feld", erklärte die 29-Jährige, deren Hallenbestleistung aus dem Jahr 2014 bei 6,68 Meter steht. Als Dritte landete Alexandra Wester (ASV Köln) bei 6,42 Metern. Olympiasiegerin Tianna Bartoletta (USA) kam als Vierte nicht über 6,38 Meter hinaus.

Die 60 Meter Hürden der Männer gewann Hallen-Europameister Andrew Pozzi (Großbritannien; 7,58 sec) vor dem WM-Dritten Baláz Baji (Ungarn; 7,61 sec) und dem Franzosen Aurel Manga (7,65 sec). Als Fünfter verpasste Erik Balnuweit (TV Wattenscheid 01; 7,73 sec) die Norm für die Hallen-WM (7,70 sec) knapp. Zehnkämpfer Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied; 8,09 sec) wurde im Rennen gegen die Spezialisten Sechster.

Piotr Lisek bezwingt Renaud Lavillenie

Im Stabhochsprung wiederholte Piotr Lisek (Polen) seinen Vorjahressieg. Der Hallen-Europameister steigerte seine Saisonbestleistung auf 5,83 Meter. Renaud Lavillenie (Frankreich) pokerte, nachdem er zweimal an dieser Höhe gescheitert war. Die Latte blieb dann aber auch bei seinem einzigen Versuch über 5,88 Meter nicht oben. Der Olympiasieger von 2012 musste sich mit 5,70 Metern und Rang drei begnügen, hinter dem höhengleichen Olympiasieger von 2016 Thiago Braz da Silva (Brasilien).

Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken) steigerte als Vierter seine Saisonbestleistung auf 5,60 Meter. Bo Kanda Lita Baehre (TSV Bayer 04 Leverkusen; 5,45 m) wurde Achter.

Robert Harting wird noch übertrumpft

Zum Abschluss des Abends wurde traditionell das Diskuswerfen ausgetragen. Wie von ihm bekannt, konnte sich Robert Harting (SCC Berlin) im sechsten Durchgang noch einmal steigern. Der dreimalige Weltmeister schleuderte die Scheibe bei seiner letzten Chance des Abends auf 62,32 Meter und übernahm zur Freude der Zuschauer die Führung.

Allerdings blieb auch dem Österreicher Lukas Weißhaidinger noch ein Versuch, den der Olympia-Sechste nutzte. Mit 63,91 Metern setzte er sich an die Spitze und gewann. Als Dritter meldete sich Daniel Jasinski (TV Wattenscheid 01; 61,86 m) zurück.

"Mit dem Wettkampf heute bin ich nicht unzufrieden", erklärte Robert Harting. "Wir wissen nun, woran wir noch arbeiten müssen. Ich bin da zuversichtlich." Für den 33-Jährigen war es der Auftakt seiner Abschiedstour. Die Heim-EM im Sommer in Berlin (7. bis 12. August) soll sein letzter ganz großer Auftritt werden.

jhr

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